NordseeSehnsucht oder „Vom Fotografieren“

Jeden Herbst bekomme ich eine riesige, klopfende Sehnsucht nach der Nordsee. Nach Wind, Meergeruch, Möwengeschrei und Sanddorn-Glühwein, nach kalter Nase und Regen, Hagebutten, Kaminknistern, Fahrradfahren und unendlicher Weite. (Eigentlich gar kein Wunder, dass ich mein Herz einem Nordmann geschenkt habe :) – Dieses Jahr schaffen wir es leider im Herbst nicht an die Nordsee. Dafür aber konnte ich schon im Frühling ein paar wunderschöne Tage mit meinen Eltern auf Sylt verbringen.  Und naja, der Frühling ist nun schon ein Weilchen her, aber ich möchte euch die Bilder trotzdem zeigen.

Das hat zwei Gründe, den eben genannten, meine eigene große Sehnsucht und außerdem noch diesen zweiten: Ich glaube es geht sehr vielen meiner Fotografenkollegen so, dass man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man sich fragt, warum man eigentlich fotografiert. Der Spagat zwischen Passion und professioneller Ausübung ist manchmal gar nicht so leicht. Wer mal 15 Stunden eine Hochzeit begleitet hat oder Shootings mit mehreren Models, Designern und Visas koordinierte, 4 verschiedene Politiker gemeinsam gut aussehen lassen musste oder ganz einfach 2 Wochen alte Babys fotografieren wollte, der weiß was Effizienz bedeutet. Wenn der eine Schuss beim Ja-Wort sitzen muss oder das Zeitfenster für Fotos zwischen schlafen, füttern, wickeln gefühlt 2,5 Minuten beträgt, wenn du dafür verantwortlich bist, dass jemand einen der schönsten  und wichtigsten Tage seines Lebens für immer so festgehalten bekommt, wie er war (und das möchte ich an dieser Stelle noch loswerden – ist einer der Gründe, warum wir unser Geld wert sind ;) ) – dann ist wenig Zeit für eine bestimmte Art der Muse. Es ist gar nicht so einfach es zu beschreiben. Ich liebe was ich tue, gehe dabei ganz auf mein Gegenüber ein, versuche zu erfühlen und zu verstehen. Oft kommt es dabei vor, dass ich nicht nur die Zeit vergesse, sondern auch mich. Ich glaube darauf kommt es an, um Gefühle transportieren zu können, jedenfalls geht es mir so. Zu Beginn versuche ich bei Kunden wie Modellen einfach sehr sehr offen zu sein. Fast immer begegnet mir mein Gegenüber dann ebenso. Es ist als ließen wir uns gegenseitig an etwas teilhaben. Meine besten Bilder sind aus einem Vertrauensverhältnis entstanden in das beide Seiten sehr viel gelegt haben. Stück für Stück ziehe ich mich beim Shooting dann zurück um den Mensch vor der Kamera ganz wirken zu lassen. Dabei ist sicher immer noch ein großer Teil von mir zu sehen, oder vielleicht auch mehr zu spüren.

Wie gesagt, liebe ich das sehr. Aber von Zeit zu Zeit ist es auch anstrengend und irgendwie ging mir das „für mich“ fotografieren ein bisschen verloren. Auf Sylt wollte ich einfach mal wieder 10 Bilder von Sandkörnern machen, die durch meine Hände rieseln. Touri-like 20 Bilder vom Sonnenuntergang mit verschiedenen Belichtungen, neue Blickwinkel versuchen, einfach eine Wolke fotografieren, die eigene Hand am Lenker, die Zehen im Sand. Es war so befreiend! Ohne ein Vorhaben die Bilder zu zeigen, ohne ein Konzept im Kopf… ich durfte einfach mal wieder spielen, sehen, ausprobieren. Ich möchte euch die Bilder zeigen, weil sie irgendwie so simpel und trotzdem so schön sind. Weil ich glaube, dass es vielen so geht wie mir. Und nicht nur Fotografen. Ich glaube, bei allem was wir tun, müssen wir von Zeit zu Zeit innehalten und wieder die Anfänge spüren. Uns ein bisschen von der Leine lassen, kindisch sein, grundlos weinen oder einfach mal ohne viel nachzudenken Dingen ihren Lauf lassen.

Ich habe auf Sylt eine wundervolle Zeit mit meinen Eltern verbracht. Meine Eltern sind die Besten. Sie sind immer für mich da, haben Dinge mit mir durchgestanden die unaussprechbar sind. Sie haben mir den Weg geebnet alles zu sein, was ich möchte und dabei immer ich selbst zu bleiben. Wir haben Zeiten die stürmischer sind als alle NordseeWinde und ich weiß trotzdem immer, dass sie mich begleiten. Mir zur Seite stehen und mich ziehen lassen. Beim Bearbeiten der Bilder ist mir etwas passiert, dass ich sonst nur von meinen Hochzeitsfotos kenne – ich habe unentwegt gelächelt.

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  • Andrea Richey - Liebe Michéle, Deine Worte kann ich sehr gut verstehen….Manchmal frisst der Alltag einen einfach auf…
    Deine Bilderserie ist eine wunderbare Liebeserklärung an Deine Eltern!Die Fotos sind so schön und gefühlvoll… Klasse…
    LG AndreaReplyCancel

    • Michele@bildbruch.net - Liebe Andrea, danke für deine schönen Worte! Das freut mich wirklich sehr!
      Liebe Grüße MichèleReplyCancel

  • Maren Büttner - Wunderschöne Bilder ,und ja Du hast tolle Elten!Schön das es Dir gut geht!ReplyCancel

  • Valerie Roedder - Ach ist das schön, da bekomme ich richtig Lust auch ans Meer zu fahren.ReplyCancel

  • Su San - hach wie toll.ReplyCancel

  • Sabrina Appel - Wunderwunderschöne Bilder, Michele! Hat mir meine Fernweh in der Mittagspause gestillt …<3ReplyCancel

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